Dieser Artikel behandelt ein Urteil des EuGH, welches den Einsatz von Cookies betrifft. Eine Alternative, um bei WordPress nicht auf Zugriffszahlen und Quellen zu verzichten, ist “Statify”. Mehr Informationen zu diesem Plugin finden Sie weiter unten im Beitrag.

Seit der Einführung der Datenschutz-Grundverordnung (kurz DSGVO), sorgt diese für viel Verwirrung, nicht nur bei Website-Betreibern sondern auch bei Freelancern und Agenturen (uns eingeschlossen). Dabei geht es nicht nur um die Frage, was man noch darf, sondern auch um die Frage, wie die Umsetzung nach strengsten Richtlinien überhaupt möglich ist und was das für den Betrieb einer gewerblichen Website bedeutet. Ich habe den Eindruck, dass viele große Unternehmen im Bezug auf das Thema vor allem auf größere Urteile oder auch auf die Fertigstellung der E-Privacy-Verordnung warten.

Opt-In Regelung macht Google Analytics praktisch nutzlos

Am 1. Oktober gab es ein neues Urteil vom Europäischen Gerichtshof. Dieser hat geurteilt, dass die Zustimmung des Besuchers zur Verwendung von Cookies immer ausdrücklich erfolgen muss. Es muss also aktiv ein Haken gesetzt werden. Derzeit waren (wenn überhaupt schon ein Consent Manager benutzt wird) diese ohne Handlung der Nutzer schon vorausgewählt. Dabei wurde sich auf das „berechtigte Interesse“ nach Art. 6 Abs. 1 lit. f) der DSGVO bezogen.

Was diese deutlich strengere Umsetzung für Betreiber bedeuten würde: Keine Daten mehr. Die Cookie oder auch “Consent Management” Banner nerven Website-Besucher sowieso schon seit Anbeginn ihrer Existenz. Man möchte den Banner oder in einigen Fällen das Website-Overlay nur schnell schließen, um an den Inhalt zu gelangen. Niemand setzt vorher noch aktiv einen Haken bei „Ja, bitte trackt mich!“. Zu diesem Urteil soll es wohl eine Anpassung des TMG (Telemediengesetz) geben, um das EU-Recht in Deutschland umzusetzen. Außerdem soll laut einem Artikel auf t3n irgendwann die E-Privacy-Verordnung beschlossen werden. Diese würde dann unmittelbar für Deutschland gelten und anstelle der DSGVO alle Fragen zu Cookies regeln. Mehr Klarheit bei dem ganzen Cookie Thema wäre schon sehr wünschenswert. Interessant ist noch, dass zum Zeitpunkt des Gerichtsurteils die eigene Website des EuGH nur einen einfachen Cookie Banner im Einsatz hatte. Das gleiche Spiel zeigte sich nach der DSGVO Einführung im Mai 2018 schon auf diversen Websites von Bund und Land.

Das aus Mediensicht bedeutsame Urteil zu den Cookie-Informationspflichten würde bei einer Umsetzung dafür sorgen, dass wir in Zukunft keine oder kaum noch Daten aus den bekannten Tracking-Tools ziehen können. Während große Unternehmen das Risiko eingehen, machen sich vor allem viele kleinere Seitenbetreiber Gedanken.

„Unbedingt erforderlich“ oder nicht – das ist die Frage

Was in Zukunft interessant sein dürfte, ist auch die Frage, welche Cookies letzten Endes als „unbedingt erforderlich” gelten und welche nicht. Es ist ja jetzt schon so, dass Cookies, die der eigenen Website-Funktionalität dienen, keine Einwilligung benötigen. Fakt ist: Wenn man das Urteil wirklich so umsetzen würde, hätte das enorme Auswirkungen auf die gesamte Werbewirtschaft im Internet. Fast niemand würde dem Sammeln von Daten zum eigenen Surfverhalten einwilligen, wenn er die freie Wahl hat. Oft nicht einmal eine bewusste Entscheidung, aber niemand nimmt sich die Zeit, einen Haken zu setzen. Somit könnte das Marketing, wie wir es kennen, bald Geschichte sein.

Wenn Sie Google Analytics in Ihrer Website eingebunden haben aber höchstens auf Besucherzahlen und Linkquellen achten, sollten Sie vielleicht auf eine andere Lösung umsteigen. Ich hatte im Zuge dieses Artikels auch nach Alternativen für uns gesucht und bin zum Beispiel auf Matomo gestoßen. Diese Lösung kann man auch auf dem eigenen Webserver hosten. Das eigene Hosten würde in diesem Fall aber keinen Unterschied machen. Immer, wenn benutzerbezogene Daten erhoben werden (auch anonymisierte IP-Adressen), muss der Nutzer aktiv zustimmen. Solange das Cookie Thema gefühlt ein einziges wirres Durcheinander ist, gehen wir lieber auf Nummer Sicher.

Statify: WordPress Alternative zu Google Analytics

WordPress Plugin Statify mit der Erweiterung Statify – Erweiterte Auswertung

WordPress Plugin Statify mit der Erweiterung Statify – Erweiterte Auswertung

Im Verlauf meiner Recherche bin ich auf „Statify“ gestoßen. Hier ein Auszug aus der Plugin-Beschreibung auf WordPress.org:

Im direkten Vergleich mit Statistikdiensten wie Google Analytics, WordPress.com Stats und Matomo (Piwik) verarbeitet und speichert Statify keine personenbezogenen Daten wie IP-Adressen – Statify zählt Aufrufe, keine Besucher.
Aufgrund dieser Funktionsweise erfüllt Statify alle Anforderungen der DSGVO und ist eine Alternative zu anderen Tracking-Diensten.

In einem Kommentar zu einem Statify Artikel habe ich später noch gelesen, dass auch Matomo eine ähnliche Möglichkeit bietet. Das habe ich mir aber nicht genauer angeschaut.

Nutzt man jetzt für WordPress das Statify Plugin, fallen leider Statistiken wie Verbleibdauer und Absprungraten völlig weg, aber dafür muss man sich keine Sorgen ums Gesetz machen. Bei der Suchmaschinenoptimierung geht es heute vor allem um die Qualität der veröffentlichten Inhalte. Wird hier ein guter Job gemacht, lesen die Besucher auch Ihre Beiträge. Große Websites dürften aber vor allem aus Marketingsicht ein größeres Problem mit dem Urteil haben. Gerade als kleiner Seitenbetreiber kann man das ganze aber auch positiv sehen: Wenn man keine Cookies setzt, die einer Einwilligung unterliegen, kann man auch auf den Cookie-Hinweis Banner verzichten. Darüber dürften sich vor allem die Besucher freuen!

Analytics behalten: Consent Management mit Borlabs Cookie

Borlabs Cookie 2.1

Borlabs Cookie 2.1 – Dieses Plugin erfüllt zum jetzigen Zeitpunkt alle Anforderungen durch die korrekte Umsetzung des Opt-In Verfahrens

Wenn Sie nicht auf Google Analytics verzichten möchten, kann ich Ihnen das WordPress Plugin Borlabs Cookie* ans Herz legen. Für den Preis von 39 Euro (Stand bei Veröffentlichung des Artikels) für eine Website, ist es meiner Meinung nach das beste Cookie Consent Plugin für WordPress. Vor allem gibt es nach neuen Urteilen oder einer Gesetzesänderung schnell die passenden Updates. Im Folgenden liste ich ein paar der Features auf, die enorm bei der korrekten Umsetzung der Richtlinien helfen:

Cookie Opt-In

Der ganze Artikel handelt ja schon von der Opt-In Regelung. Diese Erweiterung ermöglicht die konforme Umsetzung dieser Methode. Hier wird einem ein einfaches Werkzeug an die Hand gelegt, um Cookies erst nach der Zustimmung des Besuchers zu setzen. Auch wenn das super funktioniert, bleibe ich dabei: In der Praxis wird den Haken niemand setzen. Ob es für Sie also Sinn macht, dieses Plugin zu kaufen, müssen Sie selbst für sich entscheiden. Da ich bei dieser Art der Umsetzung ohnehin wenige bis keine Daten mehr zur Auswertung erhalte, braucht es aus meiner Sicht auch kein Consent Management mehr (weil man es dann gleich lassen kann).

Verwaltung von Cookie Gruppen

Die Erweiterung gibt Ihnen die Möglichkeit, Cookies in Gruppen zu verwalten und es gibt eine übersichtliche Liste, die Sie in Ihrer Datenschutzerklärung ausgeben können. Dort stehen dann Informationen wie Name, Laufzeit, Zweck des Cookies und auch die Herkunft. Sie können so viele Gruppen anlegen, wie sie möchten und den Besuchern dann die Wahl geben, welchen Gruppen diese einwilligen möchten.

Google Analytics, AdSense, Tag Manager & Facebook Pixel

Borlabs liefert bereits alle notwendigen Codes für die Einbindung. Das heißt, man muss im Prinzip nur noch seine Tracking-ID eintragen und das Plugin erledigt dann den Rest. Das praktische an dieser Lösung ist, dass die Erweiterung nach dem Opt-In des Besuchers automatisch den notwendigen Code nachladen kann, ohne dass die Website neu laden muss. Eine Zeit lang habe ich auf Websites eben diese unvorteilhafte Variante gesehen. Dort wurde dann nach dem „Zustimmen“ die ganze Seite noch einmal geladen. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie haben dank mittelmäßiger Mobilverbindung schon 15 Sekunden auf den Inhalt gewartet…

Kompatibilität mit eigentlich jedem WordPress Theme

Die Entwickler geben an, dass Ihr Plugin mit jedem WordPress Theme funktioniert. Bei ihren Tests wurden folgende bekannte Templates und Page Builder verwendet: Divi, Avada, The7, Beaver Builder, Elementor Pro, WPBakery (Visual Composer).

Kompatibel mit Caching Plugins

Ein wichtiger Punkt in den Features, ist auch die Kompatibilität mit Caching Plugins. Diese sind sehr wichtig für die Ladezeiten einer Website. Mehr Informationen zu Ladezeiten und wie wichtig diese sind, finden Sie in unserem Artikel “Warum die Ladezeit einer Webseite so wichtig ist”. Laut Borlabs ist Caching kein Problem.

Woher weiß ich, welche Cookies auf meiner Website gesetzt werden?

Wenn Sie sich gar nicht sicher sind, ob und welche Cookies Ihre Website setzt, können Sie dies relativ leicht herausfinden.

Cookies mittels Chrome DevTools überprüfen

Google Chrome DevTools

Google Chrome DevTools – Unter Application > Cookies lassen sich die gesetzten Cookies einsehen. In unserem Fall ist die Liste leer, da keine Cookies gesetzt wurden

Wenn Sie den Chrome Browser nutzen, können Sie auf Ihrer Website die DevTools öffnen und nachschauen, ob und welche Cookies gesetzt werden. Die DevTools öffnen Sie entweder mit STRG + Umschalttaste + I oder Sie öffnen mit der rechten Maustaste das Kontextmenü und gehen ganz unten auf „Untersuchen“. Jetzt wählen Sie in der Menüleiste ganz oben den Punkt „Application“ aus. In der linken Leiste gibt es den Punkt „Cookies“. Klappen Sie diesen auf und Sie sehen die URL Ihrer Website (im Idealfall auch nur Ihre eigene). Wenn Sie jetzt Ihre Website-Adresse auswählen, werden rechts alle gesetzten Cookies aufgelistet. Wenn die Liste bei Ihnen voll ist, schauen Sie, welche Domains bei Ihnen die Cookies setzen und wozu diese dienen. Auf Basis dieser Liste können Sie Ihre Website untersuchen und Anpassungen vornehmen.

Cookies mittels Firefox Entwicklerwerkzeuge überprüfen

Firefox Entwicklerwerkzeuge

Firefox Entwicklerwerkzeuge – Unter Web-Speicher > Cookies lassen sich auch im Firefox die gesetzten Cookies einsehen

Auch Firefox bietet die Möglichkeit, gesetzte Cookies anzuzeigen. Dafür müssen Sie die Entwicklerwerkzeuge öffnen. Machen Sie hierfür einfach einen Rechtsklick und gehen Sie dann im Menü auf „Element untersuchen“ oder drücken Sie bei geöffneten Kontextmenü die Taste „Q“. Anschließend gehen Sie oben im Reiter auf „Web-Speicher“ und dann links auf den Punkt „Cookies“.

Verbindungen mittels Browser-Erweiterung überprüfen

Eine weitere Möglichkeit ist die Installation einer Browser-Erweiterung. Mit der Erweiterung „uBlock Origin“ können Sie sich zum Beispiel die verbundenen Domains ansehen. Dadurch wissen Sie, welche Verbindungen aufgebaut werden und können diese genauer untersuchen.

Zu guter Letzt: Für die Richtigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen übernehmen wir keine Gewähr. Wir schreiben immer im besten Wissen und Gewissen, aber gerade zu diesem Thema gibt es gefühlt alle paar Monate ein neues Gerichtsurteil. Solange Ihre Website nichts ohne Einwilligung aus fremden Quellen lädt oder Tracking Cookies setzt, dürften Sie sich auf der sicheren Seite befinden. Auf unserer eigenen Seite haben wir Analytics jetzt komplett entfernt und gegen Statify ersetzt. Third-Party Cookies werden nur noch genutzt, wenn vom Nutzer aktiv Inhalte nachgeladen werden (zum Beispiel ein Video von YouTube / Vimeo oder Google Maps).

*Der von mir gesetzte Link zu Borlabs ist ein Affiliate Link. Wenn Sie die Erweiterung über diesen erwerben, erhalten wir einen kleinen Teil der Einnahme. Wenn Sie dies nicht möchten, ist Borlabs Cookie leicht über die Google Suche zu finden.